Eine Libelle kann nicht stechen
  Der Aberglaube, dass Libellen stechen könnten, soll von Missionaren, die die Germanen zum Christentum bekehrten, verbreitet worden sein. Die Libellen wurden verteufelt, weil sie der Göttin Freya heilig waren. Dass sich dieser Aberglaube bis in jüngere Zeit halten konnte und sich in Ausdrücken wie 'Teufelsnadeln' oder 'Augenstecher' niederschlug, hat seine Ursache wohl in der Unwissenheit und in Fehldeutungen des Verhaltens von Libellen.
Ein Bauer, der zum Beispiel eine Libelle um eine Kuh oder um ein Pferd herum fliegen oder sogar darauf sitzen sah, musste wohl annehmen, dass dieses Insekt stechen und Blut saugen wollte. Für manche Libellen ist jedoch ein ruhig grasendes Weidetier ein guter Ort, um nach Insekten zu jagen, für Ansitzjäger sogar ein praktischer Sitzplatz. Und gejagt werden dort bevorzugt die Insekten (Bremsen, Fliegen, Mücken), welche die Weidetiere belästigen oder durch Stiche peinigen. Wenn der besagte Bauer dann aus Unwissenheit die Libelle verscheuchte oder gar totschlug, beraubte er seine Tiere paradoxerweise ausgerechnet eines natürlichen Schutzes vor den Blutsaugern.
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