Libellen gehören wohl zu den faszinierendsten Insekten. Ihre Vorfahren lebten bereits vor 250 Millionen Jahren. Diese Tiere hatten eine Flügelspannweite von bis zu 75 cm und waren damit die grössten jemals existierenden Insekten. Zur Zeit der Saurier vor 150 Millionen Jahren entsprachen Grösse und Körperbau der Libellen bereits in etwa den heutigen Arten. Somit haben sie sich seit dieser Zeit nur noch unwesentlich verändert, was ein Beweis für den ungeheuren Erfolg ihrer Lebensstrategie ist.

Innerhalb des Systems der Insekten gehören die Libellen (lat.: Odonata) zu den Fluginsekten (Pterygota) und dort zusammen mit den Eintagsfliegen zu den Altflüglern (Palaeoptera). Ihnen werden die übrigen Fluginsekten (also z.B. auch die Bienen) als Neuflügler (Neoptera) gegenübergestellt. Letztere verfügen über ein zusätzliches Gelenk, das es ihnen ermöglicht, die Flügel beim Zusammenlegen gleichzeitig um ihre Längsachse zu drehen, sodass die Flügeloberseite nach aussen bzw. oben zeigt. Libellen können ihre Flügel zwar auch zusammenlegen, aber dabei nicht drehen. Dadurch liegen bei ihnen die Flügeloberseiten aufeinander und die Unterseiten zeigen nach aussen.

In Europa gibt es insgesamt 79 Libellenarten.
Man unterteilt sie in zwei Gruppen, in die Grosslibellen (Anisoptera) und die Kleinlibellen (Zygoptera) , wobei die Grosslibellen die wesentlich schnelleren Flieger sind.

Der Name Libelle (Libellula) wurde vom schwedischen Naturforscher Carl von Linné eingeführt und ist vom lateinischen Wort Libella(Hammerhai) abgeleitet. Manche Libellen haben - ähnlich einem Hammerhai - eine hammerähnliche Körperform. Die wissenschaftlichen Namen der Libellen (also Gattung und Art) leiten sich in der Regel von griechischen und lateinischen Worten ab, so z.B. 'Somatochlora flavomaculata' aus gr. 'soma' = Körper und 'chloros' = grün, sowie aus lat. 'flavus' = gelb und 'maculata' = gefleckt. Sie nehmen also Bezug auf Merkmale der Libellen, wie etwa Farbe, Zeichnung, Gestalt, oder auch Herkunft. Arten wurden aber auch nach berühmten Insektenforschern benannt.

Libellen inspirierten auch manch grossen Dichter.

Wussten Sie, dass die grössten europäischen Libellen, die Königslibellen, kaum mehr als ein Gramm wiegen (ein Sperling ist 30 mal so schwer). Libellenmännchen sind annähernd gleich gross, aber immer etwas leichter als die Weibchen.
Körperbau der Libellen

Entgegen einer weitverbreiten Meinung können Libellen nicht stechen. Sie sind auch nicht im geringsten agressiv und somit völlig ungefährlich für uns Menschen. Sie können sich allerdings mit Beissen wehren, wenn man sie unsachgemäss anfasst.

Man möchte meinen, dass die Libellen einer Art (mal abgesehen von den Geschlechtern) mehr oder weniger alle gleich aussehen und sich deshalb nicht voneinander unterscheiden lassen. Irrtum! Es gibt Arten, bei denen die Tiere im 'Gesicht' oft ganz unterschiedlich gezeichnet sind. Sehen Sie hier!

Bei manchen Libellenarten ist der Mund derart geformt, dass sie von nahem wie lustige kleine Kobolde aussehen, die ständig zu grinsen scheinen.

Vom menschlichen Standpunkt aus muss man Libellen als äusserst nützlich bezeichnen, da sie riesige Mengen an Mücken und anderen 'Schädlingen' vertilgen. Ihr Verschwinden würde wahrscheinlich das ökologische Gleichgewicht nachhaltig stören und für uns sehr unangenehme Folgen haben.

In den letzten 10-15 Jahren stellte man fest, dass sich - vermutlich als Folge der Klimaerwärmung - südliche Libellenarten Richtung Norden ausbreiten. Bekanntestes Beispiel hierfür ist die Feuerlibelle.
Daneben wird sich möglicherweise das Verbreitungsgebiet von Arten, die an ein kühleres Klima angepasst sind, nach oben verschieben. Ist dies aus geografischen Gründen nicht möglich, dürfte es an solchen Orten zum Verschwinden der betreffenden Arten kommen.

Fast zwei Drittel der einheimischen Libellenarten sind in der Schweiz gefährdet, einige bereits ausgestorben. Libellen brauchen deshalb unseren Schutz! Das heisst, es dürfen keine Gewässer mehr verbaut oder zugeschüttet werden, ohne dass dafür ein gleichwertiger Ersatz geschaffen wird.
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Literatur:
Sternberg/Buchwald, Die Libellen Baden-Württembergs Band 1 und 2
Wildermuth/Gonseth/Maibach, ODONATA - Die Libellen der Schweiz
Daniel Küry - Faszination Libellen
Gerhard Jurzitza - Der Kosmos-Libellenführer